Ansichten

…Ansichten aus Shanghai von Hartmut Oertel im Februar 2021

Pünktlich mit Karneval, wie meistens, beginnt hier im weiteren Umfeld der chinesischen Zivilisation, zwischen Saigon und Tokyo und zwischen Harbin und Singapur, ein neues Jahr nach dem alten Kalender. Dieses Mal ist es also das Jahr des Ochsen, des Rindes, des Büffels oder des Stiers. Im Chinesischen werden alle diese Tiere mit demselben Schriftzeichen dargestellt. 

Rückwärts auf einem Ochsen reitend verließ der Legende nach der alte Mystiker Lao-Tse (Laozi) weise lächelnd die Zivilisation auf dem Weg zu seinem “Sanssouci”, dem Ort ohne Sorge. Ein Stier, oder Bulle, nimmt im englischen Sprachgebrauch die Aktien auf die Hörner und sorgt für eine Hausse. Eine harmlose Kuh wiederum gibt uns bei guter Pflege mit ihrer Milch Nahrung, Vitamine und Kraft.

Generell steht das Rind im hiesigen Horoskop für Ausdauer und sanfte Zuverlässigkeit.

Alles gut also für das kommende Jahr, zumal es, nach einem ergänzenden Zyklus, noch unter dem Zeichen des Metalls oder gar Goldes steht?

Befriedigend beantworten können wir diese Frage erst in zwölf Monaten. Daher möchte ich an dieser Stelle noch einige weitere Fragen aufwerfen, die für dieses Jahr des Güldenen Büffels interessant werden können:

“Friede auf Erden”?

Werden sich möglicherweise bestehende Konfrontationen zu einem Krieg oder zu Kriegen ausweiten? Bei der Suche nach positiven Errungenschaften des bisherigen amerikanischen Präsidenten wird darauf hingewiesen, dass unter seinem Kommando die USA in keinen Krieg verwickelt wurden. 

Ist die Demokratie im Westen in Gefahr?

Nachdem Anfang Januar das amerikanische Parlamentsgebäude auf dem Capitol Hill von einem Haufen Wilder überrannt wurde, häufen sich die Meinungen zur Gefährdungslage der Demokratie dort. Aber auch in Deutschland mehren sich die Ansichten, dass viele Freiheits-beschränkende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Covid19-Virus ohne ausreichende Teilnahme des Souveräns und seines Vertreters, des Bundestages, beschlossen und durchgeführt werden. Wurde der Grundstein für eine Regierungs-Routine mit Ausnahme- oder Notfallgesetzen gelegt?

Ist der Datenschutz wichtiger als die Volksgesundheit?

Während wir Deutsche und auch andere Europäer im Kampf gegen Corona viele Maßnahmen akzeptieren, die unsere Freiheiten einschränken, scheint der Schutz unserer individueller Daten noch wichtiger zu sein als die Gesundheit des Volkes. Die Nachverfolgung von Ansteckungsketten wird zu einem guten Teil noch ohne die modernen Hilfsmittel in der Form von digitalisierten Infizierten-Registern durchgeführt. Anders in China: Hier hat jeder eine zentral geführte Gesundheitsdatei, die bei Bedarf abgerufen und auf dem Handy vorgewiesen werden muss. Sollte  bei Reisen im Land ein Testergebnis nachgewiesen werden, dann geschieht dies auch damit.

Können Frauen normale Führungskräfte sein?

Nach der langen Diskussion über die Gleichberechtigung, die schier übermenschlichen Anforderungen an Frauen in “männlichen” Domänen und ihre Bezahlung stehen jetzt zwei starke deutsche Frauen in der Kritik; die Kommissionspräsidentin von der Leyen, bei deren Beschaffung der Impfstoffe anscheinend vermeidbare Fehler passierten, sowie unsere Bundeskanzlerin Merkel, deren Kommunikation hinsichtlich der jeweils neu getroffenen Corona-Maßnahmen bisweilen auch fragwürdig scheint. Die Frage lautet also, ob sich Frauen heutzutage in Führungspositionen ebenso wie ihre männlichen Kollegen mittlerweile Fehler leisten dürfen, ohne gleich belächelt oder wegen ihres Geschlechtes abgeurteilt zu werden?

Wem dürfen wir Glauben schenken?

In der Diskussion mit Verschwörungstheoretikern und Corona- und Impfleugnern bewegt mich immer wieder die Frage, warum jemand anderen Fachleute oder “Fachleute” glaubt als ich. Hierbei hilft die Sprache: Wem ich glaube, dem schenke ich Glauben. Das bedeutet ein- und dasselbe, nur macht die zweite Version deutlich, dass ich demjenigen glaube, dem ich aus nur mir bekannten oder vielleicht sogar unterbewussten Gründen glauben möchte oder vertraue. Damit ist zumindest ein wichtiger Teil der Frage beantwortet. Der Rest ist die Suche nach der Wahrheit, und die ist als solche seit vielen hundert Jahren immer noch unbeantwortet (oder vielleicht auch überbewertet?).

Gibt es “nach Corona” im vor uns liegenden Jahr wieder ein normales Leben?

Ja, aber anders.

 

Wie stets freue ich mich über Anmerkungen und Anregungen aus der wachsenden Leserschaft, an hartmutoertel@mac.com

 

 

…Brief an einen Corona-Zweifler von Hartmut Oertel im Januar 2021

Liebe … ,
danke für die Mail. Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen; ich freue mich, wenn Du einen Kommentar brauchst, dadurch erfahre ich auch, was andere Menschen denken. Einer meiner Freunde (auch ein Ex-Banker) ist auch der Überzeugung, dass das alles eine gesteuerte Bewegung ist. Er kann allerdings nicht benennen, wer so mächtig ist, dass sowohl Amerika und Europa, aber auch so verschiedene Länder wie Nordkorea, Iran, China und Russland sich dem Diktat dieser einflussreichen Menschen beugen und nach ihrer Pfeife tanzen.

Zunächst ist es allgemein so, dass wir Nachrichten dann am Meisten Glauben schenken, wenn sie in unsere Gedankenwelt passen. Alles andere, solange nicht eindeutig bewiesen, sind für jeden von uns „alternative Fakten“ oder Fake News, Märchen, Lügen, Halbwahrheiten oder anderweitig unqualifizierte Meinungsäußerungen. Dieses gilt zum Beispiel auch für die Version der gefälschten Mondlandung, manche Wunder unserer Heiligen, Sterilisierungsversuche durch Bill Gates mit Kondensstreifen von Flugzeugen und vieles mehr. Manche glauben daran, weil sie ihren Eltern, Freunden oder anderen Autoritäten vertrauen, weil sie selbst eine Erleuchtung gehabt haben oder weil sie solche Geschichten generell für plausibel halten. Andere glauben sie nicht. Dazu gehöre ich.

Du musst Dir also zunächst diese Fragen stellen oder von anderen stellen lassen: „Warum glaube ich der Regierung und/oder den Medien nicht?“ Oder: „Warum möchte ich der Regierung nicht glauben?“ Oder auch: „Warum sollte ich der Regierung überhaupt glauben?“ Diese Fragen sind selbstverständlich berechtigt und grundsätzlich wichtig in einer Demokratie. Wenn die Corona-Statistik einen Hinweis darauf geben kann, dann vielleicht den, dass die Menschen in der ehemaligen DDR sich anscheinend am wenigsten an die Ratschläge der Regierungen oder Verordnungen halten. Das sind genau die, die früher am meisten unter der Knute der Regierungspartei SED standen. Ist also dort das Vertrauen in die Kompetenz der Regierung durch die Vergangenheit immer noch so nachhaltig zerstört? Dort sind die Infizierten-Zahlen mit am höchsten in Deutschland.

Es gibt die folgenden Argumente gegen die Corona-Verschwörungstheorien. Aber diese können auch nur solche Menschen überzeugen, die das gerne hören möchten:

  1. Wenn das Virus künstlich erschaffen worden wäre, ist das nach der Meinung der Wissenschaftler ein so großer Fortschritt in der Forschung, dass diese Leute noch ganz andere Sachen herstellen könnten, die wir uns wohl noch gar nicht ausdenken können. Das wäre nobelpreiswürdig.
  1. Sind Banken oder die großen Mächte, die hinter „Corona“ stehen, an Kriegen interessiert? Eher nicht, sondern vielmehr an einer friedlichen Welt und Weltordnung. Da verdienen alle am Besten. Wenn sich jetzt anscheinend alle Länder dem Diktat der Banken, der Industrie oder einiger „Mächtigen” unterordnen, müsste man dann ja von einer weltweiten Verschwörung für den Frieden ausgehen; das wäre doch gut! Das würde heißen, dass eine Beherrschung der Menschen durch solche Interessenverbände eigentlich gut für den Weltfrieden, die Wirtschaft und die Menschheit insgesamt wäre.
  1. Wieviel Personen würde man brauchen, um diese Pandemie zu lenken oder auch den ganzen Email-Verkehr in Deutschland zu überwachen? Bei uns gäbe es dann auch Leute wie Assange, die das öffentlich machen würden. Und in Deutschland werden solche Whistleblowers (oder „Petzer“) gesetzlich geschützt.
  1. Was soll denn eine totale Überwachung überhaupt bringen? Dass die Polizei immer weiß, wenn ein Verbrechen geplant ist? Oder was Du einkaufen möchtest? Wem nützt es denn zu wissen, wenn ich mir einen Porno im Internet anschaue? Aber es ist doch richtig, wenn die Polizei Verbrechen, die durch Internet oder mobile Telefonie begünstigt werden, aufklären oder verhindern kann! Zum Beispiel Kinderpornografie oder Waffenhandel. Denke doch an den Raub im Grünen Gewölbe in Dresden. Mit einer besseren Überwachung wären diese Räuber doch nach zwei Tagen gefangen gewesen und die Beute sichergestellt. Hier in China hätten sie keine Chance gehabt.
  1. Dass mehr Menschen in dieser Zeit sterben als sonst, ist unbestritten. Dabei ist die Frage, ob diese Menschen nur ein paar Monate früher sterben als sie normalerweise gestorben wären, oder ein paar Jahre. Über mögliche Spätfolgen einer überstandenen Corona-Erkrankung gibt es bisher einige Vermutungen, aber noch keine gesicherten Statistiken. Also wird darüber nicht so intensiv diskutiert, wie es das wohl verdienen würde.
  1. Es gibt natürlich leider auch viele andere Opfer der Pandemie. Darunter sind auch solche, die wegen der Bereitstellung der Krankenhaus-Kapazitäten für Corona-Fälle nicht wegen ihren anderen Leiden operiert und behandelt werden können.
  1. Neben der sog. „Übersterblichkeit“, also den zusätzlichen Menschen, die wegen Corona sterben, die auch durch eine neuartige Grippewelle hätte verursacht worden sein können, ist das Hauptproblem, dass Corona-Kranke viel länger im Krankenhaus bleiben als mit einer Grippe. Dadurch werden die Krankenhäuser eben in eine Notsituation gebracht, bei der die Intensivstationen überlastet werden können und es in einigen Gegenden bereits sind.
  1. Schließlich: Auch Landes- und Bundesregierungen ändern ihre Meinungen und Anordnungen. Das ist doch ein Zeichen dafür, dass sie auch nicht wissen, wie sich die Lage entwickelt, und sich immer wieder auf neue Entwicklungen einstellen müssen. Und natürlich machen unsere Regierungen auch Fehler in der Beurteilung; sie glauben eben auch an die Spezialisten, denen sie vertrauen. Schau Dir doch an, was in Schweden passiert ist, wo der Seuchenbeauftragte gemeint hat, es ist alles halb so schlimm, und wer sich nicht schützen kann oder möchte, der solle ruhig etwas früher sterben, aber eben daheim und bitte still! Seine Ratschläge wurden zum Jahresende sogar vom König heftig kritisiert.
  1. Wir (und auch ich) sind in der glücklichen Lage, keinen zu kennen, der schweren Schaden an Corona genommen hat. Aber kürzlich sprach ich mit einem Holländer, der vier Leute kennt, die daran oder damit gestorben sind. Solch eine Erfahrung ändert Deine Meinung.

Liebe … , die wichtigste Frage, die Du Dir stellen sollst, ist: „Warum möchte ich meinen Regierungen und den Medien nicht vertrauen; warum glaube ich, dass sie nicht in meinem Interesse und im Interesse der Bürger handeln?“ Wenn Du diese Frage beantworten kannst, dann ist es höchste Zeit, mit den Politikern, Deiner Landtagsabgeordneten und Deinem Bundestagsabgeordneten zu sprechen.

Ich fürchte, diese Antwort ist etwas lang geraten. Ich würde mich jedoch sehr freuen, wenn ich Dir ein paar Anregungen für Deine Überlegungen geben konnte. Ich glaube nicht, dass ich Dich überzeugt habe, dazu ist Deine Grundskepsis gegenüber der Staatsgewalt wohl zu stark. Und vielleicht hast Du ja auch Recht? Wir sollten im Gespräch bleiben.

Liebe Grüße und bleibe gesund!

 

… aus China
                                                                                                                           Shanghai, Mitte Dezember 2020

Um zu meinem zweiten Zuhause nach Shanghai zu kommen, brauche ich normalerweise ab Hauptbahnhof Freiburg etwa siebzehn Stunden. Diesmal waren es fast siebzehn Tage. Wegen zwei verschiedener Corona-Tests musste ich früher in Frankfurt sein, und nach der Landung kam ich umgehend zwei Wochen in ein Einzelzimmer in einem Hotel, ohne dort während dieser Zeit auch nur einem Menschen zu begegnen. Nach der Landung traf ich nur auf Vermummte, an Pass- und Zollkontrolle, beim schmerzhaften Corona-Test am Ankunftsgebäude sowie auch an der Abfertigung für den Transport zum Quarantäne-Hotel und schließlich auch am Empfang dort.
Der erste Mensch, den ich gegen Ende der Quarantäne sah, war die Krankenschwester, die mir am zwölften Tag den abschließenden Nasenabstrich für den Test vor der Entlassung abnahm. Zwei Tage später sah ich den ersten Menschen in normaler Kleidung: Meine Frau Rose, die mich vom Hotel abholte.
Einige Wochen vorher durften noch viele Heimkehrer ihre Quarantäne oder zumindest einen Teil davon zuhause ableisten. Dies war bei mir wegen der rasant steigenden Fallzahlen im November in Europa nicht mehr gestattet. Flüge aus England, Frankreich und ein paar anderen Ländern durften ohnehin nicht mehr in Shanghai landen, also war ich froh darüber, dass ich aus Frankfurt überhaupt noch einreisen durfte, selbst bei verschärften Quarantäne-Regeln.
Andererseits war ich froh, dass ich nicht nach Hause musste, denn da ich nicht koche, wären das für mich sehr strenge Diät-Wochen geworden. Im Hotel musste ich einer Chat-Gruppe beitreten, wo alle wichtigen Alltagsfragen und -sorgen formuliert und beantwortet wurden. Die eine Japanerin brauchte ständig mehr Kaffeekapseln, ein anderer Gast brauchte Unmengen an Toilettenpapier, nämlich zum Putzen, weil sich im Hotelzimmer sehr rasch viel Staub bildet und unsere Handtücher nicht gewechselt wurden, sich also auch daher nicht zum Putzen anboten.
Jemand anders wollte mehr Fisch zum Mittagessen, weitere wiederum Vegetarisches, wieder andere nutzten diese Zeit für ein striktes Abspecken. Es sollen bei Einzelnen Gewichtsverluste von bis zu fast zehn Kilogramm erzielt worden sein. Wer keine besonderen Wünsche hatte und wie ich dem angebotenen Menu folgte, der erhielt dreimal täglich auf den kleinen Tisch draußen vor der Tür ein Tablett mit gesundem und abwechslungsreichem chinesischem Essen gestellte. Um dies hereinzuholen, durften wir die Türe kurz öffnen, und dabei musste ein Mund- und Nasenschutz getragen werden.
Nicht alles war besonders schmackhaft, aber wo ist es das denn? Die andere Gelegenheit, zu der wir die Tür öffnen durften, war die Restebeseitigung. Die leeren Tabletts mussten in Kunststofftüten gepackt und diese ordentlich verknotet werden und kamen dann wieder auf das Tischchen draußen. Wer sich von Angehörigen verwöhnen lassen konnte, durfte seine Bestellung nachmittags um vier auf die geschilderte Weise entgegennehmen. So erhielt ich Weihnachtsplätzchen, Leberpâté, Brot, Marmelade, Salz und etwas zum Lesen sowie eine Kiste mit Sprudelwasser.
Zum Glück bin ich aus Tiengen mit der Internet-Bandbreite nicht verwöhnt und war daher auch mit diesem Service des Hotels zufrieden.
Auch diese beiden Wochen vergingen; nach einigen Tagen hatte sich eine Routine herausgebildet, bei der die Mahlzeiten, Lektüre, etwas Gymnastik und das Fernsehen aus Mediatheken zentrale Rollen spielten. Nach einiger Zeit des etwas behäbigen Zeitvertreiben fragte ich mich, ob ich schon bereit für das Altersheim bin.
Wie aus einer Schleuse kam ich nach den 336 Stunden “auf freien Fuß” und durfte nach Hause. In der Zwischenzeit wurde mir eine zentral gespeicherte digitale Gesundheits- und eine Reiseakte angelegt, die ich bei Bedarf mit meinem Handy abrufen kann und vorzeigen muss. Wenn also in meiner Nachbarschaft ein Fall von Corona auftritt, werde ich die schöne grüne Farbe auf meinem QR-Code verlieren und die Bewegungsfreiheit ist erst einmal wieder eingeschränkt. In einem hiesigen Stadtteil waren vor einigen Wochen einmal wegen zweier Fälle ungefähr drei Millionen Menschen davon betroffen. In Ämtern und bei anderem Schalterbetrieb müssen Mund- und Nasenmasken getragen werden, sonst ist das eher freiwillig. Dass Menschen einen solchen Schutz tragen, ist in Ostasien, insbesondere während der Grippezeit, ohnehin nichts Neues. In den Eingängen von Ämtern und Hotels stehen Angestellte, die die Körpertemperatur der Kundschaft am Handgelenk messen und aufzeichnen; dazu werden Name und Handynummer notiert.
Das alles hört sich zunächst einmal brutal und übergriffig von staatlicher Seite an. Bedenkt man jedoch, dass die gemeldete Anzahl der Corona-Neuinfektionen für ganz China sich pro Tag in den letzten Wochen auf unter einhundertundfünfzig beschränkt, dann werden die Vorteile solch strikter Kontrollen, auch der Grenzkontrollen, ersichtlich. Die meisten der neu Gemeldeten sind Ankömmlinge an den Flughäfen.
Und so konnten wir dieser Tage am Weihnachtstreffen der deutschen Kaufmannschaft in einem Hotel teilnehmen, wo auch die Blechbläsergruppe der hiesigen deutschsprachigen christlichen Gemeinde Weihnachtslieder darbot, ohne dass wir auf Abstände achten mussten.
Was lernen wir daraus? Eine allgemeine Lehre daraus zu ziehen, wäre wohl übertrieben. Für China hat sich jedoch gezeigt, dass ein konsequentes Einhalten und die Überwachung unpopulärer Beschränkungen der Bewegungs- und Versammlungsfreiheit dazu führen kann, dass das Leben recht schnell wieder einen gewohnten Verlauf nimmt.

Aus der Ferne wünsche ich allen Tiengenern trotz der derzeitigen weitgehenden Einschränkungen ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute für 2021.

Ihr
Hartmut Oertel

 

…zum Waldkindergarten von Angelika Stuhlinger im November 2020

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…zu Hundehalter/innen von Wolfgang Albrecht September 2020
Dieser Diskussionsbeitrag stellt die persönliche Meinung des Autors dar, nicht die des A.B.T. e.V.

Der kurze Hinweis auf der Titelseite des Blättle Nr. 36 veranlasst mich zu folgendem Kommentar:

Ein Hund, der “beste Freund” des Menschen bereitet seinen Besitzer/innen ohne Zweifel viel Freude, aus der Sicht eines NICHT-Hundebesitzers aber bestimmt auch einige Probleme, seien es die Kosten für die ärztliche Versorgung und die Haftpflichtversicherung, oder der permanente Zwang mit dem Hund einen Spaziergang zu machen. Das regelmäßige Gassi-Gehen ist gesundheitsfördernd und hilft die Sozialkontakte zu anderen Menschen, mit und ohne Hund, zu pflegen.

Bezugnehmend auf den o.g. Artikel im Blättle meine Beobachtungen wie Frauchen oder/und Herrchen sich nach dem eigentlichen Zweck des “Gassi-Gehen” verhalten. Nachdem das Geschäft des treuen Vierbeiners erledigt ist wird die Hundekottüte hervorgeholt und das “Geschäft” ordnungsgemäß eingesammelt und, so hoffe ich, auch ordentlich entsorgt.

Leider gibt es immer wieder die Ausnahmen, die eine ganze Gesellschaftsgruppe in Verruf bringen. Sehr oft werfen Frauchen oder/und Herrchen nach dem erfolgreichen Geschäft des besten Freundes einen hektischen Blick nach rechts, links, vorne und hinten. Ist weit und breit kein Mensch zu sehen wird der angeleinte Vierbeiner mit Gewalt von seinem Geschäft gezogen, aber nicht um den Kot einzusammeln, sondern um sich schnellstmöglich vom Tatort zu entfernen. Das kann ich verstehen, ist es doch lästig die Sch….. einzusammeln und bis zur eigenen Mülltonne zu tragen. Das dabei eine Ordnungswidrigkeit begangen wird nehmen diese Ausnahme-Personen in Kauf.

Schlimmer, wenn der oben erwähnte Blick in alle Richtungen einen Menschen erspäht, dann kommt Hektik auf. Es wird so getan als sei die Hundekotttüte in der großen Anzahl der tatsächlichen und imaginären Taschen in Hemd, Hose oder Jacke nicht sofort greifbar, alles mit dem Ziel Zeit zu gewinnen. Der sich nähernde Mensch, der das vollbrachte Geschäft eventuell gesehen hat, muss ja irgendwann am Tatort vorbei sein, dann kann endlich die Suche nach der Tüte in den eigenen Taschen erfolglos beendet werden. Ohne sich bücken zu müssen kann der “erleichterte” Spaziergang fortgesetzt werden.

Auf nicht entsorgte Haufen angesprochene Hundehalter/innen reagieren in den meisten Fällen sehr aggressiv, werden teilweise beleidigend oder behaupten sogar der Haufen sie nicht vom eigenen Hund.
Dank der modernen Technik sind Smartphones, fälschlicherweise oft als Handy bezeichnet, leicht und leistungsfähig und eignen sich hervorragend zu Foto- und Filmaufnahmen in der Natur.

Tier- und Landschaftsfotos sind “nicht so mein Ding”, interessanter und viel öfter, weil auch leichter zu fotografieren, sind die enorme Anzahl von Falschparkern in Tiengen – aber das ist ein späteres Thema.

 

…zur Geschlechterfrage von Harmut Oertel August 2020
Dieser Diskussionsbeitrag stellt die persönliche Meinung des Autors dar, nicht die des A.B.T. e.V.

1. Das Fräulein

Das erste Mal, dass ich eine auf den Deckel bekam, war Ende der 1960er Jahre, als eine Brieffreundin aus dem Ruhrgebiet mir mitteilte, dass sie die Anrede “Fräulein” auf dem Couvert “garnicht leiden” könne. Die große Vereinheitlichung der Anrede muss jedoch 1980/81 stattgefunden haben, denn als ich nach einem längeren Studienaufenthalt zurück nach Deutschland kam und mich bei Freunden beider Geschlechter brieflich zurückmeldete, wurde ich verschiedentlich darauf hingewiesen, dass “Fräulein” nun tatsächlich nicht mehr die zeitgemäße Anrede für eine junge unverheiratete Frau war.

Die letzten Reflexe in dieser Angelegenheit hatte ich Mitte der Neunzigerjahre, als ich mich daran gewöhnen musste, dass meine noch nicht meterhohe Tochter ihre Kontoauszüge mit der Anrede “Frau” zugeschickt erhielt.

Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, und finde es sogar praktisch, dass ich mir nicht mehr überlegen muss, ob ich mich mit der falschen Anrede einer Frau oder einem Fräulein auf die Füße trete.

Sollten wir vielleicht sogar auf die Anreden “Frau” oder “Herr” in der Korrespondenz ganz verzichten? Gelegentlich fällt es ja schwer, aus dem Namen auf das Geschlecht des Absenders zu schließen. Selbst dem Autor passierte es einmal, dass er mit “Frau Hartmut Oertel” angeschrieben wurde. Und dies sogar aus dem schweizerischen St. Gallen, wo der Namenspatron vor über tausend Jahren Abt gewesen war!

Früher bestanden manche Frauen darauf, mit “Fräulein” angesprochen zu werden. Häufig waren das auch ältere Frauen aus den Kriegerjahrgängen, die eben keine Ehemänner mehr finden konnten. 

Der berühmte Gretchen-Spruch kommt in den Sinn:

                “Bin weder Fräulein, weder schön
                Kann ungeleitet nach Hause gehn.” [ – Sie macht sich los und ab.]

Gretchen sagte nicht damit, dass sie nicht mehr “unbefleckt” war, sondern dass sie nicht aus einer vornehmen Familie stammte, also keine “junge unverheiratete Dame” war. Der in Wallung geratene Faust respektierte ihren Willen und ließ ab. Er war also durchaus schon emanzipiert.

Dass aber auch die dritte Bedeutung des Wortes, nämlich als Bezeichnung für eine weibliche Bedienung beliebigen Zustands oder Alters, in Verruf geriet, man möchte meinen als Kollateralschaden, bedaure ich nach wie vor. Ich rufe die Bedienung nicht gerne mit einem “Hallo” oder gar “Entschuldigung”. Hier mache ich heute vom Vorrecht des Alters Gebrauch und mag dann etwas altmodisch oder anachronistisch bis deppert gelten. Gelegentlich gerate ich in eine Diskussion darüber, die mir jedoch meist Freude bereitet.

Eine weitere Beobachtung der letzten Jahre betrifft die Sprachregelung der “gender-neutralen” Sprache, oder wie man es ausdrücken könnte, den Nexus von Genus und Sexus. Es ist eine Oberflächlichkeit, auf die nun geachtet wird. Fühlten sich Clara Zetkin, Hannah Arendt, Marie Curie, Angela Merkel oder Christine Lagarde als “Studenten” tatsächlich abgewertet? Was sagte denn Alice Schwarzer in ihren Studentinnentagen dazu?

Die redlichen Bemühungen von Fest- und anderen Rednern um eine korrekte Redeweise wirkt dann besonders kurios, wenn von “Mitgliedern und Mitgliederinnen” gesprochen wird. Selbst das Wort “Beamtin” ist eine überflüssige Neuschöpfung, denn es gibt genau wie eine Angestellte im Gegensatz zu ihrem männlichen Kollegen (ein Angesteller) bereits die Beamte und den Beamten.

2. Das Geld

Während dies alles oberflächlich sein mag, drückt sich die schlimmste mangelnde Gleichstellung wohl jedoch in Einkommensunterschieden aus. Statistisch gesehen verdienen Frauen, je nach zu Grunde gelegter Statistik, zwischen 6% und 20% weniger als Männer, bei gleicher Leistung.

Stimmt das tatsächlich, “bei gleicher Leistung”?

Ich frage mich, warum ich bisher von keiner Rechtsanwältin gehört habe, die Firmen verklagt, weil diese mit ihrer Männerwirtschaft offensichtlich Geld verschwenden. Denn mit der Einstellung von mehr Frauen, insbesondere in höheren Positionen, könnten doch Betriebsausgaben zwischen 6% und 20% (s.o.) gespart werden, die dann in Investitionen oder Dividenden gesteckt werden könnten. Insofern ist die Einstellung von Männern Geldverschwendung und eine Veruntreuung von Betriebsmitteln. Das ist jedoch zumindest bei Aktiengesellschaften strafbar.

Wo ist der Fehler?

3. Das Herrscherhaus

Wie bei den anderen Überschriften bemühe ich mich bei diesem Abschnitt auch um ein neutrales Wort. Müssten nicht die Genealogien neu geschrieben werden? Würden die spanischen Bourbonen unter diesem Gesichtspunkt zu Bayern, weil des ersten “Bourbonen”-König Philipps V Mutter Anna Maria Victoria von Bayern war?

Ich freue mich auf Kommentare an hartmutoertel@mac.com.

Hartmut Oertel

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