Tiengen Aktuell

Rede zum Volkstrauertag

Gedanken zum Volkstrauertag am 21. November 2021

Am heutigen Sonntag darf ich nun zum 7. Mal aus Anlass des Volkstrauertages als Gemeindevorsteher zu Ihnen sprechen. Vor einem Jahr trafen wir uns wegen der Pandemie draußen am Gedenkstein, aber dieses Jahr können wir uns durch die Hilfe von Impfungen und Masken und trotz der weiter wirkenden Pandemie wieder in unserer Kirche versammeln.

Auch dieses Mal möchte ich, wie in meinen vergangenen Reden, auf die Geschichte zurückgreifen. Bisher waren es deutsche Kriege mit grenznahen Ländern, welche die Ansprache beherrschten, nämlich im Preußisch-Französische Krieg Frankreich, im Ersten Weltkrieg, der “Grande Guerre”, und dem Zweiten außer Deutschland und Frankreich auch alle anderen Nachbarländer. Selbst die neutralen Niederlande und Dänemark im Ersten und die Schweiz in beiden Weltkriegen waren stark betroffen, wenn auch nicht in den Schlachten.

2015 war der Mittlere Osten das Thema. Auch heute sind Afghanistan und Syrien weiterhin bzw. wieder in aller Munde, wenn wir über Länder mit Bürgerkriegen sprechen. Relativ neu sind Belarus, Äthiopien, die Ukraine, Yemen und Mali, die uns ständig mit traurigen Nachrichten über Krieg und Unterdrückung bedrücken. 80 Millionen Flüchtlinge suchen sich einen sicheren Platz in anderen Ländern; die Pandemie hat diese Bewegung weiter angeheizt.

Am Volkstrauertag gedenken wir in erster Linie unserer eigener Toten in den vergangenen Kriegen. Unser Dorf erfuhr großes Leid durch die “auf dem Felde der Ehre gebliebenen” Soldaten, wie man früher sagte. Wir sprechen hier von einer zweistelligen Prozentzahl der Bevölkerung, die Tiengen in beiden Weltkriegen verlor. Über posttraumatische Störungen und Therapieangebote dagegen fand ich keine Unterlagen; dafür war nach den Kriegen keine Zeit. Das Schweigen, die Scham über die Kriegsschuld und der Wiederaufbau hat unsere Elterngeneration in Tiengen genügend beschäftigt.

Nach 1945 waren die Kriege nicht zu Ende. Nach Korea, Vietnam und vielen Freiheits- und Unabhängigkeitskämpfen erinnern wir uns an die jüngeren Kriegshandlungen z.B. um die Falkland-Inseln, in Ex-Jugoslawien, Burundi, Irak, Afghanistan, Syrien, dem Yemen, Äthiopien, der Ukraine, dem Sudan.

Gingen diese Auseinandersetzungen spurlos an Tiengen vorbei? – Nicht ganz. Im Jahr 2015 erlebten wir im Ortschaftsrat und in der Gemeinde Außerordentliches und sind stolz darauf, diese Situation gut gemeistert zu haben. Es handelt sich um die Ankunft von 150 Geflüchteten, die nach einem Monat in der Turnhalle Opfingen bei uns im eigens errichteten Lager im Maierbrühl untergebracht wurden. Die große Hilfsbereitschaft in allen Schichten der Bevölkerung sorgte von Anfang an für eine Unterstützung von Verwaltung und Diakonie und im weiteren Verlauf für eine reibungslose Integration der uns kulturell und ethnisch meist nicht so nahestehenden Neubürger.

Dafür möchte ich Ihnen allen meinen herzlichsten Dank aussprechen!

Heute beherbergt diese Unterkunft noch bis zu vierzig Personen. Die anderen fanden in Tiengen, Opfingen oder in der Stadt eine Wohnung und häufig auch eine Arbeit. So beginnt eine erfolgreiche Integration.

Glaubt man den Demographen und den Wirtschaftsweisen, dann benötigt Deutschland jährlich eine 6-stellige Zuwanderung, damit die Industrie weiterhin ihre weltweit führende Stellung beibehalten kann; von den Finanzierungslücken der Pensions- und Rentenkassen sprechen wir hier gar nicht.

Im Dilemma zwischen den Fragen, wer zu uns kommen darf und wer kommen soll, spielt eine erfolgreiche Integration die zentrale, die entscheidende Rolle. Denn die Völkerwanderung wird nicht aufhören. Der Auslöser  für die Wander-Bewegungen werden in Zukunft nicht nur die Kriege sein: Stichwort “Weltklima-Konferenz”.

Wie eingangs  erwähnt, soll die heutige Veranstaltung, die in dieser Form seit 7 Jahren durch den Ortschaftsrat unter meiner Führung  stattfindet, auch an die Trauer um Kriegsopfer außerhalb unserer eigenen geografischen Umgebung erinnern.

Mit Bedauern stelle ich fest, dass von insgesamt 14 Ortschaftsräten gerade mal die “üblichen vier Verdächtigen” anwesend sind. Der Volkstrauertag nimmt im Tiengener Kalender einen festen Platz ein.

Zu meinem Bedauern muss ich feststellen, dass sich das Interesse dafür bei uns, aber nicht nur bei uns, lichtet. Oft waren in den letzten Jahren nur um die 20 Kirchgänger anwesend, das entspricht weniger als einem Prozent der Bevölkerung.

Die Zeit und die Entfernung vom selbst erlebten Krieg lassen Vieles vergessen. Neue Generationen
sehen und interpretieren Geschichte und die Geschehnisse bis 1945 anders als wir Älteren.
Gestatten Sie mir hierzu eine kurze Bemerkung:

1957 war ich zum ersten Mal am Volkstrauertag mit der Gemeinde vor den Gedenksteinen draußen.
Alle Gemeinderäte, alle Vereine und viele Bürger waren dabei, es waren seit Kriegsende erst 12 Jahre vergangen, man trauerte um die vielen Kriegsopfer und hoffte sogar vereinzelt noch auf Rückkehrer, Tiengener Männer und Jugendliche: Erwachsen war man damals erst mit 21, aber gegen Ende des Krieges wurden auch 16jährige Jugendliche rekrutiert.

Nach dem Krieg unterschieden sich die Ansprachen auch aus dem Anlass des Volkstrauertages im Westen von denen im Osten Deutschlands beträchtlich. Hier im Westen war man auf die demokratischen Nachbarn im Westen und unsere neue Demokratie fokussiert, während der Osten Deutschlands versuchte, sich als antifaschistisches Opferland im Einklang mit den stalinistischen Nachbarländern darzustellen. Dort hieß der Zweite Weltkrieg im Anklang an die sowjetische Nennung auch der “Große Vaterländische Krieg”.

“Was sollen solche Veranstaltungen noch nach über 75 Jahren? Ein Grab auf dem Friedhof verfällt doch schon viel früher!” Diese Frage wird mir gelegentlich persönlich gestellt. In der Tat: In vielen Gemeinden wird der Volkstrauertag nicht mehr praktiziert, wie ich feststellen musste.

Dieser Feiertag gründet sich auf die Initiative des VdK (“Verein der Kriegsgeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands e.V.”) nach dem Ersten Weltkrieg; er hatte auch hier in Tiengen einen Ortsverband. Auf seine Anregung pflegt der Staat noch heute 832 Grabstätten in 46 Staaten der Welt, auf denen rund 2,8 Millionen Kriegstote ihre letzte Ruhe gefunden haben.
Auch weiterhin werden neue Funde mit Kriegstoten gemacht, die würdig gepflegt werden sollen:
Die Zeitschrift “Die Zeit” berichtete in der Ausgabe vom 21. Oktober über die “Toten von Danzig”;
das sind rund 40.000 seit dem Krieg exhumierte Kriegstote. Heute sind uns von etwa 468.000 deutschen in Polen Gefallenen die Namen bekannt. Weitere etwa 6.000 werden noch gesucht und müssen dann identifiziert, nach über 75 Jahren!
Hinzu kommen noch polnische Kriegstote, Rotarmisten und zivile lokale Opfer. In diesem Zusammenhang werden Polen, Weißrussland, die Ukraine und Russland im Englischen auch “Bloodland” genannt. Unser Bundespräsident Steinmeier nahm bei seinem Besuch in der Ukraine kürzlich Bezug auf die vielen Millionen Menschen, die durch die ausführenden Hände und Waffen einer verbrecherischen deutschen Politik in diesen Ländern sterben mussten.

 Heute ist Volkstrauertag.
Wir wissen, dass es ein stiller Feiertag ist, der uns nachdenklich machen soll. Wir gedenken heute der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft auf der ganzen Welt. Der Volkstrauertag ist der vorletzte Sonntag vor dem Ende des Kirchenjahres, kurz vor Beginn der Adventszeit.

Gehen wir nun gemeinsam zu den Gedenksteinen draußen zur Kranzniederlegung und einem kurzen Gedenken nach über 75 Jahren, die seit dem 2. Weltkrieg, und nach über einhundert Jahren, die seit dem 1. Weltkrieg vergangen sind. 
Seien wir auch dankbar, dass wir in dieser langen Zeit seit dem 2. Weltkrieg selbst vor Kriegen
und direkten Kriegswirren verschont geblieben sind und in Frieden und Freiheit leben durften!

Vielen Dank, dass auch Sie Zeit dafür fanden.
Ihr Ortvorsteher Max. Schächtele

 

Kindergarten Tiengen weiht Waldwagen ein

Am 1. September startet eine neue Waldkita-Gruppe für 20 Kinder ab drei Jahren.

          

Eröffnung am 05. August 2020 um 11 Uhr.
Brigitte Eberle, Leiterin des Kindergartens, bedankte sich in ihrer Ansprache bei Ortsvorsteher Maximilian Schächtele (A.B.T.) für die tatkräftige Unterstützung.
Innerhalb unserer A.B.T.-Liste waren auch Sigrid Schmid (Kinder, Jugend und Vereine) und Christian Geissler (Bauausschuss) anwesend. Einen großen Beitrag, aus dem O-Rat, zur Verwirklichung der Platzgestaltung verdanken wir Eric Schüler. Tiengen hat nur drei Kindergärten, und an diesem Platz gibt es noch freie Plätze. Die Stadt sollte genau prüfen ob es notwendig wird Flächen für Spielplätze in jedem Bebauungsgebiet zu planen, zumal es in Tiengen ohne diesen Waldspielplatz bereits viel große Spielplätze in Tiengen gibt.

           

 

Einweihung der FRELO-Probestation in Tiengen.

Seit vergangenem Samstag gibt es nun auch in allen vier Tunibergortsteilen FRELO-Stationen. Die neue FRELO-Station in Tiengen befindet neben der Bushaltestelle am Tuniberghaus und wurde am Wochenende vom Ortschaftsrat eingeweiht. Ab sofort können dort 5 Räder ausgeliehen werden. Auch für Gäste ist gesorgt – man kann über einen Account 4 Räder gleichzeitig buchen.
Weitere Informationen und die Registrierung unter www.frelo-freiburg.de.

 

Problematische Verkehrssituation in Tiengen.

 

Beinahe 50% aller Fahrzeuge sind in Tiengen zu schnell unterwegs. Das ist das Ergebnis von Messungen der Tiengener Ortsverwaltung an verschiedenen Messpunkten innerhalb unserer Ortschaft sowie an den beiden Umgehungsstraßen. Die Ergebnisse beruhen auf 24-Stunden-Messungen, die an verschiedenen Wochentagen durchgeführt wurden.

Sind wir Tiengener und die Bewohner der Umlandgemeinden, die Tiengen passieren, zu hektisch, oder sind wir nur schlecht getaktet? Wäre es nicht möglich, dass zumindest die Tiengener Bürgerinnen und Bürger dazu beitragen, die vorgeschriebenen 30 km/h innerhalb der Ortschaft vorbildlich einzuhalten, damit wenigstens nur noch die Raser aus dem Umland für die schlechte Statistik verantwortlich sind? Auf jeden Fall werden wir von der Ortsverwaltung in Zukunft wieder verstärkt den Gemeindevollzugsdienst um Assistenz bitten.

Der ruhende Verkehr – das Parken – lässt in Tiengen sehr stark zu wünschen übrig.  Geparkt wird wild und ohne Rücksicht auf die StVO. Als Beispiel seien hier die Einmündungen von Etzmattenstrasse, Kapf, Im Maierbrühl und Kinzig genannt. Die Parksituation ist hier größtenteils nicht mehr akzeptabel, ebenso wie die permanente Missachtung der totalen Halteverbote in der Mengener Straße, Alte Breisacher Straße und Alte Rathausgasse.

Hier hilft nur noch eine Maßnahme: Abschleppdienst plus Strafmandat. Diese Maßnahmen werden im Augenblick überprüft und ab Februar angewendet.